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Umweltminister lobt Engagement der Wolfsbetreuer*innen in Schleswig-Holstein

Der Wolf ist seit 2007 wieder zurück in Schleswig-Holstein. Seitdem werden immer wieder Wolfssichtungen und Zwischenfälle, bei denen Nutztiere durch Wölfe getötet oder verletzt worden sind, registriert. Um zuverlässige Informationen über die Situation der Wölfe im Land zu erhalten, ist ein umfassendes Wolfsmonitoring unerlässlich. "Wir sind in Schleswig-Holstein gut aufgestellt und haben eines der modernsten Wolfsmanagementsysteme etabliert. Zudem haben wir ein enges Netz von hochmotivierten und gut geschulten ehrenamtlichen Wolfsbetreuerinnen und -betreuern, für deren zuverlässige Arbeit ich mich bedanken möchte. Ohne deren beeindruckendes Engagement ließen sich die Anforderungen im Rahmen des Wolfsmanagements nicht bewältigen", sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht am 26. Oktober 2018 bei einem Treffen mit den schleswig-holsteinischen Wolfsbetreuerinnen und -betreuern in Bad Segeberg.

"Klar ist aber auch, dass wir das Wolfsmanagement im engen Austausch mit den Wolfsbetreuerinnen und -betreuern stetig weiter entwickeln müssen", so Albrecht. Das bedeute unter anderem die Öffentlichkeit noch stärker zu informieren, das Fortbildungsangebot im Rahmen des Wolfsmangements auszuweiten und über innovative Herdenschutzkonzepte nachzudenken. "Lassen Sie uns gern sachlich darüber streiten, wie wir unseren Tierhalterinnen und -haltern im Land auf Grundlage der rechtlichen Gegebenheiten bestmöglich helfen können - aber lassen Sie uns auch den gegenseitigen Respekt wahren und die Arbeit sowohl der überwiegend ehrenamtlichen Wolfsbetreuer schätzen als auch die der Tierhalter, die ohne Frage durch den Wolf teilweise einen erheblichen Mehraufwand zum Schutz ihrer Tiere zu leisten haben."

Aktuell gibt es rund 70 ehrenamtliche Wolfsbetreuerinnen und -betreuer in Schleswig-Holstein, 12 von ihnen haben eine Zusatzausbildung als Rissgutachter. Ihre Aufgabe ist es, vor Ort Informationen zu den Wölfen und ihrer Lebensweise zu vermitteln sowie direkter Ansprechpartner für die Bevölkerung zu sein. Sie erfassen zudem Wolfshinweise (z.B. Fährten, Kot, Risse) und leiten diese den zuständigen Stellen (Landeslabor Schleswig-Holstein und das Nationale Referenzlabor in Gelnhausen) zur weiteren Prüfung zu. Darüber hinaus beraten sie Nutztierhalterinnen und -halter, wie sie ihre Herden vor Wölfen schützen können. Bei Tierverlusten, bei denen der Wolf in Verdacht steht, werden die Wolfsbetreuerinnen und -betreuer außerdem zur Beurteilung und Beratung hinzugezogen.

In Schleswig-Holstein hat man sich frühzeitig darum bemüht, sich auf den Wolf vorzubereiten. Im Rahmen eines Runden Tisches wurden alle betroffenen gesellschaftlichen Gruppierungen wie Jäger, Landwirte und Nutztierhalter in die Ausgestaltung des Managements eng eingebunden. Lange bevor erste Probleme auftraten, konnten auf diese Weise effiziente Finanzierungsinstrumente und Verfahren (z.B. zur Bearbeitung von Rissereignissen) entwickelt und etabliert werden. Das Land verfügt zudem über einen hauptamtlichen Wolfskoordinator sowie einen Wissenschaftler, der unter anderem die eingegangenen Wolfssichtungen auswertet. Darüber hinaus wurde eine koordinierende Fachstelle beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) geschaffen.

"Der Wolf weckt Begeisterung und schürt Ängste. Vor allem bei Schaf-, Rinder-, Ziegen- und Pferdehaltern gibt es Sorgen, dass er sich Tiere von ihrer Koppel holt oder diese wegen des Wolfes durchgehen. Wir haben deshalb von Anfang an versucht, Konflikte offen auszusprechen, anzugehen und zu moderieren. So ist das schleswig-holsteinische Wolfsmanagement entstanden, das ein breites Spektrum an Schutzmaßnahmen und Hilfen gibt - von Beratungen der Tierhalter über die Bereitstellung von sogenannten Notfallsets bis hin zu Entschädigungszahlungen bei einem Wolfsübergriff auf Nutztiere. Zudem wurde ein landesweites Monitoringprogramm und eine umfangreiche Informations- und Öffentlichkeitsarbeit etabliert", so Albrecht.

Da der Wolf nach europäischem und deutschem Recht streng geschützt ist, ergeben sich für das Land Schleswig-Holstein verbindliche Verpflichtungen zum Schutz dieser Tierart. Eine Entnahme von Tieren ist daher nur in speziellen Einzelfällen möglich. "Wir werden uns auf der Umweltministerkonferenz im November im Bremen mit den anderen Bundesländern über den Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen abstimmen. Hier muss es eine bundeseinheitliche Regelung geben", so Albrecht.

Hintergrund:
Seit Anfang Mai kommt es in Schleswig-Holstein vermehrt zu Wolfsrissen bei denen Nutztiere getötet oder verletzt werden. Bestätigt wurden für 2018 bereits mehr als 47 (Stand: 24. Oktober 2018) Risse von Nutztieren im Land. Wie Untersuchungen des Wolfsmanagements gezeigt haben, sind die Auslöser dieser Zwischenfälle überwiegend Jungwölfe, die 2017 in der Nähe der dänischen Kleinstadt Ulfborg geboren wurden. Diese Tiere haben sich offenbar auf der Suche nach eigenen Territorien und möglicherweise Partnern von ihrem Heimatrudel getrennt und zumindest einige Nachkommen aus diesem Rudel halten sich derzeit in Schleswig-Holstein auf. Bis heute wurden keine residenten Einzeltiere, Paare oder gar Rudel in Schleswig-Holstein festgestellt.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/artenschutz/wolfsmanagement.html



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